Römische Spiele

"Traurig lässt der Knabe die Nüsse liegen, wenn ihn der Lehrer wieder zum Unterricht ruft", schreibt der römische Dichter Martial. Das Spiel mit den Nüssen war bei den römischen Kindern sehr beliebt. Die Redewendung „die Nüsse zurücklassen" bedeutete bei den Römern so viel wie „erwachsen werden".

Spielen war überhaupt bei jung und alt sehr populär und daher eine typische Freizeitbeschäftigung. Im Gegensatz zu unserer heutigen Zeit hatte das Spielen in der Antike eine wesentlich höhere Bedeutung. Gespielt wurde auf der Straße, in den Thermen, auf den Stufen öffentlicher Gebäude, in Tavernen und natürlich auch zu Hause. Viele Spiele sind uns heute noch bekannt, wobei es uns erstaunt, dass diese schon zur römischen Zeit gespielt wurden. Andere Spiele sind in Vergessenheit geraten oder wir kennen sie in einer abgewandelten Form. Es macht aber Spaß, diese Spiele neu zu entdecken und ohne großen Aufwand zu spielen. Das bereits eingangs erwähnte Spiel mit den Nüssen gehört hierzu. Beim Orca-Spiel versuchten die Spieler mit Nüssen aus einer bestimmten Entfernung in ein Tongefäß (orca) zu werfen. Sieger war, wer mit den meisten Nüssen in die orca getroffen hat. Aus Abbildungen kennen wir auch die Verwendung einer schiefen Ebene, über die man Nüsse herunterkullern lassen konnte. Die Spielregeln dürften ähnlich unserem heute bekannten Murmelspiels gewesen sein, wobei man Nüssen in eine Mulde kullern lassen konnte oder andere Nüsse abzutreffen hatte.

Kinder beim Delta-Spiel

Ein sehr interessantes Spiel ist das "Delta-Spiel" (ludus deltae). Auf den Boden wurde ein Dreieck aufgezeichnet, das wie der griechische Buchstabe Delta aussieht. Aus einer bestimmten Entfernung wurden Nüsse in das Feld geworfen. Je nach getroffenem Feld wurden die Punkte addiert. Sieger war, wer nach einer gewissen Anzahl von Durchgängen die meisten Punkte erringen konnte. Weitere bekannte Kinderspiele waren z. B. Blindekuh, Huckepack oder auch das Treiben von Reifen.

Sehr beliebt in allen Gesellschaftsschichten waren Würfelspiele. Die Würfel - tesserae genannt - hatten schon die uns heute noch gebräuchliche Augenanordnung und waren meist aus Knochen, sind aber auch aus Bernstein, Glas und Bronze erhalten. Würfelbecher und sogar Würfeltürme waren im Gebrauch und sollten einem betrügerischen Handeln vorbeugen. Auch wenn uns die Regeln beim Würfelspiel nicht genau bekannt sind, so ist doch der Begriff des Venuswurfes überliefert, der das beste Wurfergebnis bezeichnete. Der schlechteste Wurf wurde "Hund" genannt. Ähnlich wie mit Würfeln wurde mit kleinen Knöchelchen aus den Sprunggelenken von Ziegen oder Schafen gespielt. Da diese sogenannten tali nur vier Seiten haben, gab es im Spiel nur die Punktewerte 1,3, 4 und 6. Generell waren in der Kaiserzeit Glücksspiele verboten. Hinter verschlossenen Türen wurde aber dennoch mit zum Teil hohen Einsätzen gespielt. Diese illegalen Glücksspiele wurden sogar von manchen Kaisern lebhaft praktiziert.

Legionäre beim Würfelspiel

Neben dem Würfelspiel waren Brettspiele äußerst beliebt. Brettspiele wie das Mühle-Spiel, einer unserem Dame-Spiel (ludus latrunculorum) oder dem Backgammon ähnlichen Variante (duodecim scripta) waren ebenfalls sehr beliebt und sind in Einritzungen und Abbildungen erhalten. Ein Scriptatisch ist z.B. im Museum von Ephesus zu sehen. Spielsteine aus Knochen oder Glas sind erhalten, aber auch einfache Steine in den entsprechenden Farben konnten genutzt werden.

Bei der sportlichen Betätigung, zum Beispiel beim Besuch der Thermen, war das Ballspiel ebenfalls in allen Gesellschaftsschichten sehr beliebt. Lederne Bälle in unterschiedlichen Größen und mit verschiedenen Füllungen wurden verwendet. Während die Namen unterschiedlicher Ballspiele wie trigon oder harpastum überliefert sind, kennen wir die Regeln leider nur unzureichend.