Militärmedizin

Eine permanente medizinische Versorgung des römischen Militärs kann frühestens in der Zeit der Diktatur Julius Caesars angedacht worden sein, da während der Periode der römischen Republik die Soldaten in der Regel nach Beendigung eines Feldzuges entlassen wurden. Zwar fehlen entsprechende Belege, jedoch wäre dem Genie Caesars durchaus eine solche Maßnahme zuzutrauen. So blieb es seinem Nachfolger Augustus vorbehalten, eine römische Militärmedizin ins Leben zu rufen. Die Notwendigkeit dazu ergab sich jetzt dadurch, dass eine Berufsarmee geschaffen worden war, und die Soldaten auf Dauer in Standlagern kaserniert wurden, sofern nicht Truppenbewegungen durch Kriegszüge, Verlegungen oder Abkommandierungen von Teilen des Truppenkörpers, zur Verrichtung bestimmter Aufgaben außerhalb des Lagers, erfolgten.

Dabei wird es initial recht schwierig gewesen sein, die notwendige Zahl von ausgebildeten Ärzten zu verpflichten, die eine ausreichende medizinische Versorgung der Legionen sicherstellen konnten. Grundsätzlich gab es für die Armee - analog gilt dies für die römische Flotte - mehrere Möglichkeiten, ärztliches Personal für die Truppen zu gewinnen:

  1. Anwerbung von Ärzten für den Dienst in der Truppe, entsprechend dem Aushebungsverfahren für Rekruten (= Arztsoldaten oder milites medici),
  2. Anstellung von ausgebildeten Ärtzen für eine bestimmte Vertragslaufzeit (= Vertragsärzte), hierfür kam auch der Ankauf von Arztsklaven in Frage, die dann zunächst freigelassen werden mußten, um die Voraussetzung für die Tätigkeit in einer Legion zu erlangen,
  3. Ausbildung von capsarii und marsi als "Arztsoldaten" oder Sanitäter,
  4. Verpflichtung von Zivilärzten in Krisenzeiten oder Notfallsituationen.
Sanitäter im Einsatz

Nachdem ein ausreichender Bestand an ärztlichem Personal für die Armee geschaffen worden war, fand wahrscheinlich die Ausbildung zum Truppenarzt nur noch innerhalb der Truppe selbst statt. Die eigentliche Laufbahn des medizinischen Personals in der römischen Armee ist noch in starkem Maße umstritten. Sicher ist, dass die Sanitätslehrlinge (discentes capsariorum) die niedrigste Stufe in der medizinischen Rangleiter einnahmen. Die nächst höhere Position nahmen die capsarii (Sanitäter) ein, die sich im Gefecht durch das Tragen einer sogenannten capsa auszeichneten, in der sie Material für die Erste Hilfe mitführten und mit der sie in den vorderen Linien der kämpfenden Truppe stehend. In Friedenszeiten kam ihnen wohl die Funktion eines Krankenpflegers in den Valetudinarien (Lazaretten) zu. Darüber stand der Arztsoldat (miles medicus), vermutlich in der Rangordnung gleichgestellt einem immunis der Truppe. Über die weiteren Dienstränge besteht Uneinigkeit. Am ehesten kann in der Tat angenommen werden, dass - wie dies für die Flotte nachgewiesen ist - ein medicus duplicarius mit doppeltem Sold auch für den Dienst bei den Legionen existierte, bzw. evtl. auch dementsprechend ein medicus sesquiplicarius mit eineinhalbfachem Sold. Den Abschluß der Rangordnung bildete wohl der medicus ordinarius mit dem Sold und den Privilegien eines Centurio.

Ärztliches Instrumentarium

Über die Leistungsfähigkeit der Militärmedizin in der frühen und mittleren Kaiserzeit sind wir im einzelnen nicht unterrichtet, jedoch kann man vermuten, dass sie dem Stand der "wissenschaftlichen" Medizin im zivilen Bereich der damaligen Zeit entsprach. Als bekanntestes Beispiel darf auf den Militärarzt Dioscurides verwiesen werden, dessen Bücher über die Heilpflanzen (1. Jhdt. n.Chr.), bis zum 16. Jahrhundert das Standardwerk über Arzneimittellehre an den Universitäten blieb. Weiterhin zu erwähnen ist der Kräutergarten des Valetudinariums im Militärlager von Neuss, dessen hervorragender Stand sich durch archäobotanische Untersuchungen belegen ließ.

Über die Ausrüstung der römischen Militärärzte sind wir durch die Beigabe medizinischer Instrumente zu dem Brandgrab eines römischen Legionsarztes aus dem 1. Jhdt.n.Chr., bei Bingen, informiert. Dabei versetzt uns vor allem die häufig große Ähnlichkeit mit dem noch heute verwendeten Instrumentarium in Erstaunen.

Ärztliches Instrumentarium

Die Ausübung der medizinischen Kunst fand in Friedenszeiten in den Valetudinarien der Standlager statt, wobei sich derartige Einrichtungen in den meisten genauer ausgegrabenen Legionslagern nachweisen ließen. Dabei charakterisiert sich ein solches Valetudinarium häufig durch eine besondere Anordnung der Räumlichkeiten, wobei sich an 2 ca. 18 qm große Räume ein kleinerer, ca. 4-6 qm großer Raum anschließt, der mit den ersteren eine sogenannte 3-Raum-Kombination bildet. Eine mehr oder weniger große Anzahl dieser Gruppen war sodann zu beiden Seiten eines rechteckig verlaufenden Korridors angelegt, in der Mitte des Gebäudes einen größeren Hof mit Säulenumgang (Peristyl) umschließend.