Marschlager

Zu den ständig wiederkehrenden Anforderungen gehörte für den römischen Soldaten bei Truppenverlegungen und Feldzügen jeden Abend die Errichtung des sogenannten Marschlagers. Dazu wurde durch Vorausabteilungen ein geeigneter Übernachtungsplatz ausgesucht, vermessen und so markiert, dass jede der ankommenden Marschabteilungen sofort wusste, an welcher Stelle sie zu lagern hatte. Ein Marschlager entsprach im Grundriss nach Möglichkeit einem festen Standlager und wurde jeden Abend nach demselben Schema errichtet, soweit es die Geländeverhältnisse zuließen. Für eine Centurie kann dabei ein Platzbedarf von etwa 45 x 10 m angenommen werden. Während ein Teil der Truppen bewaffnet die Sicherung des Platzes übernahm, errichteten die anderen Soldaten eine den ganzen Platz umschließende einfache, aber effiziente Befestigung. Dazu wurden zunächst entlang der Befestigungslinie Rasensoden ausgestochen. Die Erde wurde mit Hacke (dolabra) und Spaten gelockert, in Weidenkörben aus dem Graben gehoben und unmittelbar dahinter zu einem Wall aufgeschüttet. In dessen Oberkante wurden die mitgeführten Pallisadenpflöcke (valli) gesteckt und mit Seilen verbunden. Auf die Außenseite des Walls wurden die Rasensoden gelegt, damit Angreifer auf dem Wall keinen Halt finden konnten.

Marschlager mit Centurionenzelt und Ausrüstung

Nach der Errichtung der Befestigung konnten die Soldaten die Zelte aufstellen. Centurionen und höhere Offiziere hatten ein eigenes Zelt, bei den einfachen Legionären teilten sich acht Mann ein Zelt. Als einziges Material, das antiken Verfahren dauerhaft wasserdicht gehalten werden konnte, wurde für die Herstellung der Zelte Leder verwendet. Durch eine spezielle Nähtechnik ohne Durchstiche bleibt die Lederhaut nach außen unzerstört und damit bei regelmäßiger Behandlung mit Fett und Wachs wasserabweisend.

Nach der Einteilung zu verschiedenen Diensten (Wach-, Arbeits- und Versorgungsdienst etc.), konnten die Soldaten damit beginnen, Korn zu schroten, sich ein Mahl zu bereiten und ihre persönliche Ausrüstung zu pflegen. Da auch Nachts stets ein Teil der Legionäre auf Wache war, reichte es aus, dass nur sechs Soldaten gleichzeitig in einem Zelt schlafen konnten. Als Bett diente dabei das auf dem Boden liegende scutum, das mit Fellen oder Decken ausgelegt wurde. Die Ausrüstung wurde entweder am Kopf- und Fußende oder vor dem Zelt gelagert. Trag- und Reittiere wurden je nach Bedrohungslage in Pferchen innerhalb oder außerhalb des Lagers gehalten.

Aus diversen Gründen konnten nicht permanente Zeltlager auch länger als für nur eine Nacht bestehen. Beispielsweise konnten sie bei größeren Kampagnen als Sammelplatz für verschiedene Truppenteile dienen, bevor diese gemeinsam weiter zogen. Auch bei zivilen Bauaufgaben, die von der Armee wahrgenommen wurden, lagerten die Soldaten möglicherweise längere Zeit in einem Zeltlager am selben Ort. Größe und Befestigung solcher Lager richteten sich ganz nach den jeweiligen Anforderungen. In Anlehnung an ein solches mehrtägiges Zeltlager versucht die I. ROEMERCOHORTE OPLADEN e.V. im Rahmen ihrer Möglichkeiten bei ihren Auftritten verschiedene Aspekte des Lagerlebens von der Abmessung des Lagerplatzes bis zur Zubereitung der Verpflegung zu präsentieren. Entsprechend der Abbildungen auf der Traianssäule und Originalfunden von Lederresten sind sämtliche Zelte von Hand aus Leder genäht und stellen damit das weltweit größte rekonstruierte Zeltlager dieser Art dar.